Für wen ist Yoga?
- Anne
- 2. Nov. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Wie oft habe ich in meinen Yogaanfängen gedacht: Das kann ich nicht, wie soll das gehen? Die anderen können das viel besser als ich! Kennst du diese Sätze? Die immerwährende Frage, ob ich alles richtig mache, ob ich alles gut mache? Ob Yoga wirklich was für mich ist, das Richtige ist....
Aber mit jeder Yogastunde, die ich erlebt habe, mit jeder Haltung die ich geübt habe, mit jedem "auf-meiner-Matte-ankommen" hab ich gefühlt dass ich richtig bin. Gespürt, dass es sich richtig anfühlt, dass ich hier hingehöre. Kennst du das vielleicht auch schon? Dieses wunderbare Gefühl, Angekommen zu sein, Heilung zu spüren, zur Ruhe zu kommen, Zeit ganz für Dich zu haben... herrlich, oder?
Erst während meiner Ausbildung zur Yogalehrerin ist mir wirklich bewusst geworden warum diese Sätze vom Beginn Gift für mich und mein Yoga waren. Gespürt hab ich das vielleicht schon immer, aber wenn man eine Erklärung bekommt, wird es nochmal realer. Denn, Yoga, das sind nicht (nur) die Haltungen und Atemübungen! Yoga ist nicht höher, schneller, weiter. Yoga ist ein Gefühl, eine Lebenseinstellung, eine Liebe.
Denn erst wenn ich meine Augen schließe, um ganz bei mir zu sein, erst wenn ich meinen Atem kontrolliere, um mich zu spüren, erst wenn sich mein Geist beruhigt und leise wird, dann ist es Yoga. Dann kann ich bei mir sein, im Einklang mit mir und der Natur sein, die Welt sehen so wie sie ist. Dann spüre ich das Leben in mir, dann verstehe ich die Welt wie sie gemeint ist. Egal wie gut ich eine Haltung kann oder nicht, solange ich mit meiner Aufmerksamkeit ganz bei mir bin, bin ich ganz im Yoga. Ich kann auch viele Asanas nicht, glaub mir. Bei Gott, ich will auch viele Haltungen nicht können. Dafür bin ich nicht gemacht, aber ich übe die Haltungen, die ich mag und die ich brauche, sehr gerne und in meinem Tempo. Es kommt nicht darauf an, die perfekte Krähe zu können, oder eine Stunde im Kopfstand zu verweilen, was wichtig ist, ist die Zeit, die du dir für dich nimmst. Die mentale Kraft, die du daraus ziehst, die Auszeit die du hier erhältst.
Die Asanas (Haltungen) und Pranayama (Atemübungen) gehören auf diesen Weg, genauso wie die Yogaphilosophie. Genauso wie Achtsamkeit und Hingabe. Aber eben in meiner Zeit, in meinem Rhythmus.
All das lerne ich während meiner Yogapraxis ganz bei mir, egal was andere sagen, machen, tun. Und im besten Fall, nehme ich diese Dinge mit in die Welt off the mat. Denn dann lebe ich den Yoga, dann kann ich Stress und Ärger an mir abgleiten lassen, dann kann ich mich erden, wenn es nötig ist. Dann kann ich Menschen sehen, wie sie sind, nicht wie sie sein wollen. Dann gewinne ich Abstand, wenn er nötig ist, dann spüre ich Ruhe, wenn ich sie brauche.
Die Rückkehr zum Wesentlichen, die Freude an kleinen Dingen, die Liebe zu sich selbst, das ist es, was Yoga möchte und was Yoga kann. Das ist Yoga für mich.
Natürlich kann Yoga noch viel, viel mehr… hierzu schreibe ich später mehr.
Aber die Fragen zu Beginn, die sich wahrscheinlich jeder und jede Yoga-Ausprobierende schon gestellt hat, die sind nicht relevant. Diese Fragen werden von deinem Geist gesteuert, dein Ego vermittelt dir Scheu oder auch Angst vor Neuem, der Neid spricht über Geltung und Wahrnehmung des Außens. Hier darfst du gleich zu Beginn der Yogastunde alles ablegen, alle Gedanken und Sorgen an der Tür zurücklassen und mit einem wachen und freien Geist auf die Matte kommen. Bereit für Neues, bereit dich neu kennenzulernen. Denn Yoga ist für alle!
Genieße deine Zeit auf der Matte, ich wünsche es Dir so sehr!
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