Generalprobe
- Anne
- 9. Nov. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Jetzt ist er weg! So schnell kann es dann doch gehen, Daniel ist gestern nach China geflogen, jetzt bereits gelandet und auf dem Weg ins Quarantänehotel. Er macht eine kleine Generalprobe sozusagen, bevor es dann im Februar für uns beide los geht.
Er wird insgesamt 23 Tage weg sein, denn allein 10 Tage davon verbringt er in Quarantäne. Nicht unbedingt eine schöne Aussicht. Aber auch die vielen anderen großen und kleinen Dinge an die er denken musste, sind recht viel Aufwand.
Daniel ist mit der Lufthansa geflogen, ein regulärer Flug, der momentan nur einmal die Woche durchgeführt wird. Bis vor Corona flog die Lufthansa Peking täglich an. Er hat sich für diesen Flug entschieden, da er so direkt in Peking ankommt, die Flüge mit der Außenhandelskammer sind für westliche Reisende vielleicht etwas einfacher, allerdings fliegt man dann nach Qingdao, was zwar schön am Meer liegt, aber nicht im Stadtgebiet von Peking. Warum das wichtig ist, fragt ihr? Nun, die 10tägige Einreisequarantäne ist für alle Chinareisenden Pflicht. Will man danach dann aber inländisch weiterreisen, kann es passieren, dass man in eine weitere dreitägige Quarantäne muss. So passiert dies momentan, da in Qingdao wieder einzelne Fälle von Covid aufgetaucht sind. Dies wird Daniel hoffentlich erspart bleiben, kann er nun ja direkt in einem Hotel in Peking seine Quarantäne absitzen.
10 Tage, in einem Hotelzimmer, Standardgröße, keine Deluxe-Suite oder ähnliches. Ausstattung Bett, Tisch, Bad, TV (chinesisch), wenn Du glück hast, gibt’s ein Fenster, das sich öffnen lässt und eine passable Aussicht. Wenn nicht dann nicht. Wenn Du noch mehr Glück hast, dann sprechen die Mitarbeiter im Hotel englisch, und du kannst dich verständigen. Wenn nicht dann nicht. Das nennt sich Glückshotel.
Daniels Kollegen haben ihn bereits bestens auf diesen Trip vorbereitet, er hat Listen und Anweisungen bekommen, wie das alles vonstattengeht, was er einpacken soll, was wichtig ist.
Zum Beispiel hat er sich eine kleine Küchenausstattung eingepackt, Brett, scharfes Messer, Besteck – ja Besteck, das Essen im Hotel wird meist mit Einmalbesteck aus Plastik oder Holz geliefert, nicht unbedingt lecker bei 10 Tagen Verpflegung. Was es zu Essen gibt? Das kommt aufs Hotel an. Das westliche Hotel einer namhaften Kette in Qingtao bietet western Style Food und chinesisch an. Da kann man sich auch mal ne Pizza oder nen Burger an die Zimmertür liefern lassen. In Daniels Glückshotel gibt’s diesen Service vielleicht nicht, dann gibt’s nur chinesisches Essen, auch lecker, oder? Klar, wir lieben das chinesische Essen, allerdings essen Chinesen bereits zum Frühstück warm und würzig, also meistens Suppe mit Reis und Ei. Oft gibt es auch Gerichte mit Fleisch, hier wird dann auch alles vom Tier verwertet, da braucht es manchmal einen starken Magen. Aber die Chinesen sind Feinschmecker, nicht zuletzt haben sie allein 7 verschiedene Arten der Zubereitung von Fleisch im Repertoire. Hierzu werde ich euch bestimmt noch viele weitere Geschichten erzählen können….
Für die ganz schlimmen Zeiten hat Daniel sich hier bereits ein kleines Fresspaket angelegt, Knäckebrot, Müsliriegel, Schocki und Snacks sind im Koffer, so sollte er überleben können. Getränke gibt’s im Hotel, sogar Bier kann man sich kommen lassen – allerdings maximal 5 am Tag, wir wollen ja nicht übertreiben.
Außerdem wird Daniel gar keine Zeit haben, um sich zu betrinken. Natürlich wird er arbeiten in der Quarantäne, Homeoffice der anderen Art. Eine neue Abteilung die China, die kennenglernt werden will, mit allen Sorgen, Projekten und Fragen und zwei Teams in Deutschland, die noch betreut werden wollen, da ist viel zu tun und viele Meetings und Emails zu bearbeiten.
Aber auch während der Quarantäne muss etwas getan werden, so muss täglich die Körpertemperatur überwacht und notiert werden, es gibt auch im Quarantäne Hotel mehrere Coronatests, diese werden an der Hotelzimmertür durchgeführt. Die beiden PCR Tests in Deutschland waren also nur der Anfang…
Weiter als zur Tür kommt Daniel auch gar nicht, kein auf dem Gang laufen oder in die Lobby gehen, alles passiert im Zimmer. Auch der Sport, wer sich nach einem langen Arbeitstag betätigen will, wird im Zimmer gemacht. Freude für den Untermieter, Daniel hat sein Springseil eingepackt 😊
Und danach? Wenn er die 10 Tage erfolgreich, gesund und munter überstanden hat? Dann geht er in Peking noch 10 Tage arbeiten. Wird die Kollegen in live kennenlernen, sich die Firma und seinen neuen Wirkungsplatz anschauen. Und die vielen Mitbringsel und Wünsche der Kollegen verteilen. Einer seiner Koffer ist nur mit Bestellungen aus Deutschland gefüllt, es gibt also doch einiges, was es in Peking nicht gibt….
Wir hoffen Daniel wird auch etwas Zeit finden, um sich die ein oder andere Wohnung anschauen zu können, so dass er schonmal einen ersten Eindruck der Umgebungen, und Wohnviertel bekommt und uns so die Entscheidung wohin wir ziehen wollen, leichter fällt.
Die ersten Wohnungsangebote haben wir bereits erhalten, dennoch ist es schwierig zu sagen, wo man gerne wohnen möchte, ohne die Anlage richtig gespürt zu haben. Mir fällt das jedenfalls nicht leicht, ich brauche immer ein Gefühl….
Aber so kann Daniel schon mal schauen, wo es uns gefallen könnte und was gar nicht geht, dann müssen wir uns dann im März nicht mehr 100 Wohnungen anschauen, sondern vielleicht nur noch 25.
Nun beginnen aber erstmal die 10 Tage Quarantäne für Daniel, ich denke er wird euch über seinen Status auch auf dem laufenden halten. Whatsapp funktioniert in China nicht, hierfür nutzt man immer einen VPN. Diesen hat er Gott sei Dank bereits in Deutschland eingerichtet, er ist also erreichbar, falls ihr ihm mal schreiben wollt…
Was machst Du so in den nächsten Tagen? Wie sehen deine nächsten 10 Tage aus? Ganz schön komisch, wenn wir auf unsere vielen Aktivitäten und Pläne schauen oder?
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